Scarabae
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Achtung:
Dies ist eine Geschichte, die in Nadira Prime spielt. Die Handlung geschieht einen Tag nach Offenbarung.
Danke an Jack, Little Witch und Pandora für das Korrekturlesen!
Eine Weihnachtssinfonie
Sinfonie verließ die U-Bahn-Station und öffnete ihren dunkelblauen Schirm. Es regnete leicht und sie seufzte, während sie die Straße entlang zu ihrer Verabredung ging. Wenige Menschen waren unterwegs. Am Weihnachtsmorgen war es immer ruhiger. Die meisten Menschen waren daheim bei ihren Familien. Ihr gefiel es so. Zu viele Menschen machten sie nervös.
Sie sah das Diner, zu dem sie wollte, und beschleunigte ihre Schritte. Der Regen betrübte sie. In Nadira Prime regnete es niemals zu Weihnachten. Es schneite. Ganz unabhängig davon, ob der Rest des Landes zeitgleich tropische Temperaturen hatte. Irgendjemand sorgte an Weihnachten immer für Schnee, aber dieses Jahr schien sich noch niemand aufgerafft zu haben.
Sie erreichte das Diner und wollte nach dem Türgriff greifen, als ein Mann sie von innen öffnete. Sie musste ihm ausweichen, und während die Tür zufiel, sah sie ihr Spiegelbild im Glas. Graue Jeans, schwarze, ausgetretene Stiefel und darüber ihre blaue Fliegerjacke. Sie war noch immer zu dünn und Narben zogen ein feines rotsilbernes Geflecht über jedes Stück Haut, das sie zeigte, was nicht viel war.
Sinfonie seufzte und schloss ihren Schirm, bevor sie die Tür zum Diner öffnete. Der vertraute Geruch von Eiern und Speck, gemischt mit der Süße von Pfannkuchen und Gebäck, strömte ihr entgegen.
Über der Theke hing ein Fernseher und CNN lief. Sie zeigten eine Aufzeichnung von Wildcards Kampf und anschließend berichtete eine Reporterin vom Krankenhaus. Sins Magen zog sich zusammen, als sie darüber nachdachte. Rasch wandte sie den Blick ab und ging zu einer der Sitznischen. Sie zog ihre Jacke aus und setzte sich. Schirm und Jacke legte sie neben sich auf die Bank und sah hinaus in den Regen.
Vielleicht würde Ivy nicht kommen. Möglicherweise war sie bei Derik im Krankenhaus. Aber dann hätte sie angerufen und abgesagt. Nun, es würde nicht schaden zu warten. Sie konnte die Unsicherheit für eine Chance Ivy zu sehen ertragen. Sie atmete einmal tief durch, um sich zu beruhigen. Sollte Ivy nicht auftauchen, konnte Sin sie immer noch anrufen.
Die Kellnerin kam und starrte auf Sins Narben. Sie ging fast nie aus, nicht wegen der Narben, sondern wegen der Angst, aber wenn sie ausging, starrten die Leute fast immer. Sie ignorierte den Blick der Frau und bestellte. Als die Kellnerin ging, sah sie zurück zum Fernseher.
"Der kleine Marco ist nun seit 32 Stunden vermisst. Vorgestern Nacht verschwand er unter bisher ungeklärten Umständen aus seinem Schlafzimmer. Wer Hinweise zu seinem Verbleib geben kann, melde sich bitte…" Eine Telefonnummer und ein Foto wurden eingeblendet, und Sin sah fort von dem Bildschirm hinaus auf die Straße. Jemand sollte sich wirklich des Regens annehmen, dachte sie und griff nach dem Salzstreuer, um etwas in den Händen zu haben und sich abzulenken. Derik hatte es letztes Jahr schneien lassen, um ihr zu beweisen, dass rituelle Magie genauso stark sein konnte wie ihre eher fundamentale Kraft. Aber Derik war im Krankenhaus.
Sie hoffte, dass jemand vom Team bei ihm war.
Die Glocke an der Tür läutete erneut, und Sin sah zum Eingang. Zwei Teenager betraten das Diner. Keine Ivy in Sicht. Sie drehte sich zurück zum Fenster und sah ein Auto auf sich zufliegen.
Sin rollte sich von der Bank und warf sich auf den Boden. Im nächsten Moment hagelte ein Glasschauer auf sie herab, als der Wagen die Scheibe traf. Sie hörte ein lautes Geräusch und der Boden erbebte, als das Fahrzeug zurück auf die Straße fiel.
Sie sah mit vor Schrecken geweiteten Augen auf. Der Fensterrahmen und die Wand hatten das Auto aufgehalten, aber die Wand zeigte nun Risse. Sin stieß einen halb erleichterten und halb verzweifelten Laut aus. Andere Besucher des Diners schrieen; es war laut, zu laut. Sie rappelte sich auf und sah sich orientierungslos um. Ein Mann rannte an ihr vorbei zum Ausgang und sie folgte ihm. Die Tür stand offen. Vielleicht hatte sich der Rahmen verzogen, als das Auto das Gebäude traf. Sie trat hinaus auf die Straße.
Geräusche drangen auf sie ein: In der Ferne eine Sirene und mehr Schreie von überall. Es regnete immer noch. Ich stehe unter Schock, dachte Sin benebelt. Ihre Hände zitterten.
Ein weiteres Auto segelte durch die Luft, diesmal über die Straße und auf ein anderes Auto. Hinter ihr im Diner schrie jemand, aber sie drehte sich nicht um. Sie sah langsam in die Richtung, aus der das Auto gekommen war.
Es war groß, haarig, aber überhaupt nicht grün, bis auf den Mistelkranz auf seinem Kopf. Es hatte lange, scharf aussehende Krallen und gelbe vorstehende Zähne.
Ich will nach Hause, dachte Sin und Tränen stiegen in ihre Augen. Sie musste mehrmals blinzeln, um sie loszuwerden. Ivy, dachte sie und suchte ihre Hosentaschen nach dem Handy ab. Sie fand es und zog es hervor. Ein weiteres Auto flog durch das Schaufenster eines Kaufhauses zerquetschte mehrere Schaufensterpuppen.
Sinfonie ignorierte den Lärm der Alarmanlage,die Schreie und den Regen und sah auf ihr Handy. Ivy müsste längst hier sein, dachte Sin aufgebracht. Es war nicht mehr ihr Job, sich um dergleichen zu kümmern. Sie hatte gekündigt, sie war raus, sowas passierte ihr nicht mehr. Ivy war die verdammte Anführerin von Leuchtfeuer, die große Heldin. Sie trug die Verantwortung. Riesige, durchgedrehte Monster am Weihnachtsmorgen waren ihre Aufgabe.
Aber Ivy war nicht hier. Mit fahrigen Bewegungen wählte Sin die Notfallnummer und legte das Handy auf den Boden. Der Alarm würde Leuchtfeuer herführen. Das Team würde sich darum kümmern. Sie wandte sich um zum Gehen und starrte auf das Monster. Es war in ihrem Weg, erkannte sie. Das war die Richtung, die zu ihrer Station führte. Sin blinzelte und starrte. Das Ding machte sich am nächsten Auto zu schaffen. Mittlerweile war die Straße ziemlich leer. Die wenigen Passanten waren geflohen.
Sin drehte sich um und ging von dem Monster fort. Sie würde sich ein neues Handy kaufen müssen, dachte sie. Ein Auto krachte neben ihr auf den Boden und sie sprang zur Seite, gegen die Mauer des Gebäudes. Sie atmete erschrocken aus und sah zu dem Monster. Autos schienen nicht mehr interessant zu sein, jetzt starrte es sie an und begann auf sie zuzulaufen.
"Ich will nach Hause", erklärte Sin ihm und fragte sich, was ihr Therapeut aus diesem Zusammenstoß machen würde. Vermutlich mehr Maltherapie. Mal das Monster, das dich bei deinem weihnachtlichen Frühstück gestört hat. Warum, denkst du, hast du dich gefürchtet?
"Weil es mir wehtun kann, du dumme Kuh", flüsterte Sin und presste sich gegen die Wand. Sie dachte an das Lied der Unsichtbarkeit und öffnete ihren Mund, aber nichts kam heraus. Sie schloss die Augen, fühlte den kalten Regen und wartete darauf, dass das Monster kam und sie tötete.
Plötzlich spürte sie eine Bewegung der Luft, dass Monster brüllte schmerzerfüllt auf und warme Feuchtigkeit traf Sins Wange. Sie riss ihre Augen auf. Vor ihr stand Ivy. Sie trug ihren weißen, pelzbesetzten Wintermantel und rotes Blut, aus der Hand des Monsters, befleckte das weiße Fell. In der Hand des Monsters war ein Messer, das Ivy in ihrer Hand hielt.
"Renn!", schrie Ivy ohne sie anzusehen, und sie gehorchte. Sie lief los und im nächsten Moment war Ivy neben ihr, obwohl sie gerade noch das Monster beschäftigt hatte. Zeitsprung, dachte Sin. Sie hatte nie ganz verstanden, wie Ivys Kraft funktionierte. Sie schlüpfte irgendwie durch die Zeit.
"Zum Park", rief Ivy und bog in eine Straße, die Sin noch nie benutzt hatte. Sie folgte Ivy und hörte das Monster hinter sich. Sie sah Ivy zurückblicken, vergeudete aber selbst keine Kraft darauf. Sie erreichten den Park und liefen an dem eisernen Zaun entlang. Am Eingang angekommen sah Ivy ungläubig auf das geschlossene Tor.
"Sing es offen!", forderte Ivy und Sinfonie sah sie panisch an.
"Ich kann nicht", erinnerte Sin sie. Sie wollte, mehr noch als in dem Moment, in dem sie Unsichtbarkeit hatte herbei singen wollen. Sie wollte nicht, dass Ivy etwas geschah.
"Dann kletter!", befahl Ivy und zog sie am Arm zum Tor. Sie stieß sie gegen das Metall. Die Streben waren weit entfernt voneinander und es regnete noch immer. Es schien ewig zu dauern, bis sie die Spitze erreichte. Als sie hinunter sah stand Ivy bereits auf der anderen Seite. Praktisch, wenn man die Zeit anhalten konnte. Man war mit allem immer schneller fertig. Andere Menschen standen unter lebensgefährlichen Zeitdruck, dachte Sin und zwang sich, nicht zurückzublicken, nicht nachzusehen wie nah das Monster war, und machte sich an den Abstieg. Als sie am Boden stand, sah sie einen Mann in einer altmodischen Polizeiuniform neben Ivy stehen. Er war leicht durchsichtig. Der Geist, dachte Sin. Der Geist aus dem Park. Ivy hatte ihr von ihm erzä...
Das Monster krachte gegen das Tor und unterbrach jeden Gedanken. Sinfonie schreckte zurück.
"Tut mir leid, Mark", sagte Ivy und griff nach Sins Arm. "Aber ich bringe einen ungebetenen Gast mit."
Sin hörte ihn noch antworten "Wenigstens ist es außerhalb der Öffnungszeiten" bevor sie wieder rannten.
Sie liefen und als sie eine Weggabelung erreichten, stand Mark dort. Er war genauso seltsam wie Ivy, tauchte an Orten auf, die er auf natürliche Weise nicht so schnell erreicht haben konnte. Aber er war ein Geist, dachte Sin. Er hatte eine Ausrede.
"Zum See", sagte er nur und deutete in eine Richtung. Ivy folgte ihm ohne zu hinterfragen, und sie folgten dem Pfad, bis sie einen kleinen Hafen mit Verkaufsbuden erreicht hatten. Die Tür zu einer öffnete sich und Ivy stieß sie in hinein.
"Bleib hier", befahl sie Sin. "Sei so still du kannst." Sinfonie nickte nur und blieb regungslos stehen, als Ivy die Tür schloss.
Sie starrte auf die Ritzen im Holz und ein Teil von ihr wollte näher treten und hinaussehen. Sie wollte sehen, ob Ivy gewann, aber im Moment war sie damit beschäftigt, ein- und auszuatmen und schaffte es nicht, sich zu bewegen. Sie spürte eine Erschütterung und hörte Ivy schreien. Dann traf etwas gegen das Holzhaus, in dem sie sich befand. Es fiel um, und sie wurde gegen die Wand geschleudert. Holz splitterte um sie herum. Sinfonie schrie, als etwas ihr linkes Bein traf. Als sie wieder zu Atem kam, lag sie auf dem Boden, inmitten der Trümmer des Hauses. Ihr Herz hämmerte und alles tat weh.
Sie wollte raus und begann an den Brettern, die ihre Sicht behinderten, zu schieben. Als sie sich halbwegs befreit hatte, richtete sie sich auf und stöhnte vor Schmerz. Ein Stück Holz hatte sich in ihren Oberschenkel gebohrt. Es war nicht zu tief, aber der Schmerz war da und sie konnte ihr eigenes Blut an der Wunde sehen. Unentschlossen berührte sie das Holz und schloss ihre Augen.
Ich muss…, dachte sie und zog das Holz mit einer schnellen Bewegung heraus. Unwillkürlich schrie sie auf und fiel zurück nach hinten, als der Schmerz nachließ.
"Steh auf", sagte ein Mann befehlend. Sie sah auf und sah den Geist neben sich stehen. Er sah sie nicht an. Sie folgte seinem Blick und, oh Freude, das Monster sah sie wieder an. Es stand am Ufer und der halbe Hafen lag in Trümmern.
"Wo ist Ivy?", fragte Sinfonie panisch. Sie konnte die andere Frau nirgends entdecken.
"Bewusstlos in den Büschen", sagte der Geist. Das Monster setzte sich in Bewegung. "Renn!", befahl er.
Sie versuchte aufzustehen, aber ihr verletztes Bein gab unter ihr nach. Alle möglichen Trümmerstücke flogen auf das Monster zu. Der Geist versuchte es abzulenken, erkannte sie. Das Monster war unbeeindruckt und Sin erkannte, dass sie nicht entkommen konnte. Es ist vorbei, dachte sie erleichtert und blinzelte.
Als sie ihre Augen wieder öffnete, stand das Monster noch immer vor ihr. Doch jetzt war es gefesselt. Seil verband die Beine des Monsters, und weitere Seile fesselten Arme, Beine und Hals an diverse Bäume.
Ivy, dachte Sin erleichtert. Dann wankte das Monster und Sin hatte noch genug Überlebenswillen, um zur Seite weg zu rollen. Das Monster fiel und gab ein ohrenbetäubendes Brüllen von sich, als es auf dem Boden auftraf.
Ivy stand neben ihr und half ihr auf. Der Geist sah ihnen zu.
"Bist du lebensmüde?", fragte Ivy sie entsetzt und Sin fühlte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Um eine Antwort kam sie herum, da das Monster anfing an den Seilen zu zerren. Ivy atmete tief durch und trat vorwärts.
"Lass uns wegrennen", bat Sin verzweifelt, als sie erkannte, dass sich Ivy weiter mit dem Ding beschäftigen wollte, und griff nach ihrem Arm.
Ivy warf ihr einen gereizten und gleichzeitig mitleidsvollen Blick zu. Sie löste Sins Hand von sich.
"Ich kann nicht, Sin", erklärte Ivy nur. Sie nickte dem Geist zu und ging zu dem Monster.
Sin stöhnte auf und fuhr sich durchs Haar. Ivy flackerte und im nächsten Moment stand sie mit einer Schaufel neben dem Monster und schlug sie mit voller Wucht auf den riesigen Schädel. Es hieb nach ihr, aber sie war bereits fort. Der Geist tauchte auf und das Monster zerriss eines der Seile, als es nach ihm schlug. Seine Klauen fuhren nutzlos durch die Erscheinung. Ivy erschien hinter ihm und erneut schlug sie mit der Schaufel auf es ein. Sinfonie schloss ihre Augen und versuchte ruhig zu atmen. Es sah nicht so aus, als würden die Schläge einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Sie wollte wegrennen, aber Ivy war hier und kämpfte. Sie war so müde; so müde Angst zu haben und wegzulaufen. Sie hasste es, Angst zu haben. Und sie hasste es, dass ihre Angst sie lähmte und nutzlos machte.
Sie sah rechtzeitig genug auf, um ein weiteres Seil reißen zu sehen. Das Monster war eine Naturgewalt und sie glaubte nicht, dass Ivy es mit ihren doch sehr einseitigen Fähigkeiten besiegen konnte. Immerhin konnte sie sich nur außerhalb der Zeit bewegen. Hin- und hergerissen öffnete Sin ihren Mund und versuchte zu singen. Ein langes "Aaaahhh" kam hervor, aber es steckte keine Magie dahinter. Sie verstummte und sah hinter sich zu dem Weg, der aus dem Park führte. Sie sollte rennen, sie war hilflos und konnte nicht helfen. Aber Ivy war genauso hilflos und kämpfte. Sin schlang die Arme um ihren Oberkörper und sah zu, wie das Monster Ivys Schaufel abfing und Ivy ihre Waffe zurücklassen musste.
Das Monster sah auf die Schaufel und warf sie zur Seite. Im nächsten Moment erschien Ivy, um danach zu greifen und es packte sie. Sin schrie auf und stolperte einen Schritt vorwärts. Der Geist erschien neben Ivy und versuchte das Monster abzulenken, aber es ignorierte ihn.
"Nein", rief Sin und machte einen weiteren Schritt vorwärts. Das Monster hatte Ivy hochgehoben. Der Griff musste ihr wehtun, ihr Gesicht war schmerzverzerrt.
"Nein", sagte sie wieder, sang es fast, und zu ihrer Verblüffung spürte sie einen Teil ihrer alten Kraft dahinter.
"Nein", sang sie erneut und das Monster zuckte zusammen.
"Nein", sang sie in schriller Tonlage. Sie zog das Wort lang und wurde mit einem gequälten Brüllen des Monsters belohnt. Es sah verärgert zu ihr und sie unterdrückte den Drang, wegzurennen. Sie sang wieder und wieder ihr "Nein" und versucht die Kraft zu lenken, zu kontrollieren. Es war, als wäre sie wieder ein Teenager. Sie hatte keine Kontrolle, nur pure Kraft und diese war anders als zuvor, kälter und schärfer. Sin zwang sich, nicht darüber nachzudenken, was das bedeuten könnte. Sie sang und ließ ihre Angst in das Wort einfließen.
Das Monster wich zurück und jaulte schmerzerfüllt. Es ließ Ivy los und ihr Körper fiel regungslos zu Boden. Sin trat einen Schritt vorwärts. Sie sang ihr "Nein" und sie sang Furcht und dann Kälte, um der Kälte in ihrem Inneren Ausdruck zu verliehen. Sie sang Hilflosigkeit und Schmerz, sie sang Angst und Panik und das Monster machte sich daran, wegzulaufen. Für einen Moment stockte ihr Gesang vor Überraschung, dann hob sie ihre Stimme erneut und sang weiter von Angst. Lähmende Angst, einfrierende Kälte, dich haltend, nicht loslassend, dich erstarren lassend. Das Monster ging in die Knie und hielt sich die Klauen über die Ohren. Sinfonie hielt ihr Lied aufrecht. Sie spürte, wie sich die Kälte von ihr ausbreitete und die Temperatur sank. Ihr Atem kondensierte in der Luft, Frost und Eis überzogen den feuchten Boden und dann das Fell des Monsters. Die Regentropfen um sie herum verwandelten sich zu Schneeflocken. Das Monster wand sich, doch je länger sie sang, desto langsamer wurden seine Bewegungen. Ihr Lied wurde schriller, lauter und die Töne wollten nicht mehr zusammenklingen.
Sinfonie wollte aufhören zu singen, aber das Lied hatte seinen eigenen Willen und ließ sich nicht halten. Missklang ertönte und es war eine Qual, es zu hören und noch mehr, es zu singen. Sie griff nach ihrem Hals, als sie die letzten dissonanten Töne von sich gab.
Sin schloss ihre Augen und übergab sich dem Lied. Als der letzte Ton ausklang, wagte sie es wieder, ihre Augen zu öffnen. Das Monster lag regungslos vor ihr und Frost hatte es völlig eingehüllt. Schnee fiel um sie herum und als Sinfonie zum Himmel sah, erkannte sie, dass es überall schneite, nicht bloß an diesem kleinen Fleck im Park.
Ende
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